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Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist die Schönste im ganzen Land…

Eine modernere Version von „die Schönste im ganzen Land“ könnte heißen „Nur eine kann Germanys next Topmodel werden“, und für die, die es nicht werden „Ich habe heute leider kein Foto für dich!“ Auf diesen Satz folgen bei GNTM regelmäßig bitterliche Tränen und die Aussage eines hübschen Meedchens, bei Heidi die beste Zeit ihres Lebens gehabt zu haben. Sie tun mir leid, diese Mädels, die alle ihre Hoffnung auf diesen Traum setzen, um dann am Ende nicht schön, charakterlich gefestigt oder gut genug zu sein. Und ich frage mich, wer diese Maßstäbe von schön oder weniger schön eigentlich festlegt.

Influencer setzen gerne solche Maßstäbe. Vielfach tausende von Followern geben ihren Normen und Werten, ihrem Lebensstil recht, versuchen dem zu entsprechen und kommen vermutlich nicht annähernd an die perfekten Bilder und Inszenierungen heran.

Und das sind nur Äußerlichkeiten. Wie ist das bei verschiedenen Persönlichkeiten? Was macht Jemanden beispielsweise zum Nerd? Die Brille? Längeres Haar? IT Begabung? Wer definiert „merkwürdig“, „Trendsetter“, „Beauty Queen“, „DUFF“? Woher kommt der Maßstab dafür und wer legt diese Normen fest?

Ich kenne kaum Jemanden, der nicht schon in die „Schubladen-Falle“ getappt wäre. Andere Menschen entsprechen in irgendeiner Weise nicht meinem „Normal“, leben anders oder haben einen anderen Stil, als ich. Und Zack, finden sie sich in einer meiner selbst gezimmerten Schubladen wieder.

Ein 6-jähriger Junge hat mir gegen solches Schubladen Denken die Augen geöffnet. Er sitzt, krankheitsbedingt, im Rollstuhl, auch das eigenständige Atmen funktioniert nicht immer und er lebt deshalb in einer Pflegeeinrichtung für Kinder, in der ich einige Jahre gearbeitet habe. In den Ferien kam ein gleichaltriges Gastkind zur Betreuung in die Einrichtung. Es war Liebe auf den 1. Blick. Ihr Abschied nach 3 Wochen hätte Rosamunde Pilcher nicht emotionaler beschreiben können. Dass an ihr wenig „Normal“ war, hat er nicht bemerkt. Weder ihre zu kleinen und viel zu tiefsitzenden Ohren, noch ihre sehr großen und schief stehenden Augen, um nur zwei Merkmale herauszugreifen. Die übliche gesellschaftliche Norm kennt er nicht. Der liebende und wertschätzende Blick ohne Wertung liegt wohl doch im Auge des Betrachters.

Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist die Schönste im ganzen Land…

Wie sehe ich mich selbst? Und damit meine ich nicht morgens der erste Blick in den Spiegel, bei dem ich mir nicht immer sicher bin, ob ich es bin. Ich denke mehr an meine ganz persönliche Schönheit.

Das „Ideal“ wird mir von vielerlei Medien aufgezeigt. Und immer mal wieder falle ich darauf rein. Schlanker, größer, kleiner, sportlicher, Po zu flach, Augen zu groß, Wimpern zu kurz, kleiner Zeh zu klein …

Der Monatsspruch im August wirft einen anderen Blick auf diese Maßstäbe:

„Gott ich danke Dir, dass ich so wunderbar gemacht bin“

Echt? Ich? Irgendwie sagt mir mein Spiegelbild da was Anderes.

„Gott ich danke Dir, dass ich so wunderbar gemacht bin“

Ach so, also nicht die Schönste im ganzen Land, aber wunderbar!

Also bin ich mehr so ein Wunderwerk Gottes! Er wollte mich so und nicht anders. Schon bevor ich auf die Welt kam, hatte er das im Blick. Es lohnt sich den ganzen Psalm 139 nachzulesen! Das gilt Jedem und Jeder: Du bist ein einmaliges Wunderwerk Gottes! Ein Mensch, mit Herz und Seele, mit Talenten und Fähigkeiten, mit Wünschen und Träumen, mit einer eigenen Meinung, mit Ecken und Kanten. Egal ab groß, klein, blond gelockt oder ganz anders. Ich bin ich.  So wie ich bin. Ein Wunderwerk Gottes.

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24/10/2020 – 30/10/2020Ab 08:00 Uhr